Unmenschliche Uhrzeiten sind es, zu denen der sonst so stille Mitbewohner unseres Schlafzimmers die schrillsten Töne von sich gibt und uns aus den wundervollsten Welten zurück in die Realität holt. Oh, wie sehr verflucht man in diesen Augenblicken denjenigen, der uns dieses Ungetüm ins Zimmer gestellt hat, ja, sogar der Erfinder dieser Foltergeräte bekommt oft genug sein Fett weg bevor wir mit Schlägen und Beleidigungen versuchen, diese wunderschöne Welt, in der wir uns noch Augenblicke zuvor befunden haben, irgendwie festzuhalten. Aber das Leben ist nun mal kein Ponyhof, das wissen wir und so quälen wir uns trotz Gezeter und zwecklosen Ignorierungsversuchen irgendwann doch aus dem Bett und ergeben uns unserem Schicksal. Dieses Schicksal steht nun auch unserem geliebten Alphabet bevor und wenn ich sein Alter bedenke könnte ich mir schon vorstellen, dass sich dieses frühe Aufstehen bei ihm als noch problematischer erweist, als es bei unsereins schon gerne mal der Fall ist. Aber wie lautete noch die gerne benutzte Schallplatte meiner Mutter, die entgegen meiner Hoffnungen niemals einen Sprung bekommen hat? Wat mutt, dat mutt und deswegen klingelt nun auch die imaginäre Schulglocke, welche meinen Erinnerungen zufolge nicht minder nervig ist als der Klang des vermaledeiten Weckers in den frühen Morgenstunden!

Wie so ziemlich jeder Lehrer habe auch ich mir vor meiner ersten Unterrichtsstunde Gedanken gemacht, wie ich diese nun gestalten will und, was vielleicht die wichtigere Frage ist, wie ich dem Alphabet am besten etwas beibringen kann. Ich habe jedoch das Gefühl, dass ich weniger einer Antwort näher gekommen bin als der gnadenlos auffälligen grauen Farbe auf meinem Kopf. Also seht mich eher als Praktikantin oder Nachhilfelehrerin, die sich am Nachmittag nur ein paar Euros dazuverdienen möchte denn als richtige Lehrerin. Vielleicht kann ich ja zumindest mit dieser Messlatte mithalten.

Doch nun genug des Geschwafels, es ist Zeit für den Ernst des Lebens und deswegen sage ich nun:

A wie …

Das A ist ein wichtiger Teil unseres Alphabets. Nicht nur ist es der Anfang von allem, sondern hat auch die Ehre, ein paar der wichtigsten Wörter unseres Sprachgebrauchs einleiten zu dürfen. Überaus passend finde ich, dass auch der Anfang unserer Bücherwelt einen Platz unter all den Begriffen bekommen hat, die an erster Stelle unseres ABC stehen und damit seine Wichtigkeit zusätzlich noch einmal unterstrichen wird. Seid ihr schon darauf gekommen, um welches überaus wichtige A es sich handelt? Richtig, gemeint ist natürlich das wunderschöne und strahlende A des Autors! Ohne ihn würden nicht nur Verlage pleite gehen, sondern auch wir Leseratten würden schon nach kürzester Zeit die Folgen seiner Abwesenheit spüren und an Nahrungsentzug draufgehen. Ihr seht also, Autor ist ein durchaus wichtiges Wort, welches auf gar keinen Fall wieder vergessen werden sollte! Doch warum genau ist ein Autor so wichtig? Sein Kopf ist voll Fantasie und Ideen, voll Geschichten, die erzählt werden und hinaus aufs Papier wollen. Ja, im Grunde kann man sagen, dass ein Autor ein Geschichtenerzähler ist. Natürlich gibt es auch Autoren, die weniger Geschichten erzählen, sondern sich eher dem Schreiben von Berichten, Sach- und Fachbüchern, Bühnenstücken oder auch Drehbüchern widmen und ihre Rolle in der Welt der Schreiberlinge ist nicht minder wichtig als die der Geschichtenerzähler, doch um eben solche Autoren geht es in der heutigen Stunde nicht. Stattdessen beschäftigen wir uns mit jenen, die all ihre Fantasie, ihre Visionen und Herzblut in Geschichten stecken, die uns in andere Welten entführen, zum träumen, lachen und weinen bringen. Dabei ist es unerheblich, in welchem Genre der Autor angesiedelt ist, oder welche Altersgruppe zu seiner Zielgruppe gehört, denn sie alle verleihen den Seiten zwischen dem Umschlag Leben und geben ihnen eine Seele. Sie befreien uns von unserem Alltag, fordern unsere ganze Aufmerksamkeit als seien sie unsere Kinder, erfreuen und überraschen uns, geben uns Halt und Trost. Doch Autoren sind nicht nur nett und stets darauf bedacht, uns ausschließlich Gutes zu tun. Zuweilen haben sie Spaß daran, Spielchen mit uns zu spielen, uns zu frustrieren, zum Haareraufen zu bringen, dazu, dass Buch zur Seite zu legen bevor wir beginnen, uns ausgiebig darüber aufzuregen, wie wahnsinnig uns die Handlung macht. So etwas darf sich niemand mit uns erlauben, nur ein Autor, denn im Grunde lieben wir es, von ihm und seinen Worten herausgefordert zu werden, genießen dieses Spiel ebenso sehr wie die sanften Umarmungen, die uns zur Wiedergutmachung gegeben werden.

Autoren gibt es seit hunderten von Jahren und nur den Wenigsten von ihnen gelingt es, dem Fluch der brotlosen Kunst zu entkommen und mit ihrer Leidenschaft ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Doch auch wenn Erfolg mit dem zu haben, was er liebt, für einen Autor enorm wichtig ist, spielt es schlussendlich keine Rolle, ob es die Werke auf Bestsellerlisten schaffen und finanzielle Unabhängigkeit bescheren. Viel wichtiger ist, dass es Menschen wie sie überhaupt gibt, Menschen, die ihrer Kreativität erlauben, sich frei zu entfalten und die sich von der harten Welt der Schreiberlinge nicht unterkriegen lassen. Menschen, die ihre Gedanken mit anderen teilen und ihnen damit etwas geben, was unser Leben versüßt und uns zufrieden ins Bett gehen lässt, um die vom Autor erschaffene Welt in unseren Träumen mit eigenen Augen zu sehen.


2 Kommentare:

  1. Vielen Dank für diese wirklich schöne und ausführliche Erklärung.
    Und das, morgens um 4.30 Uhr.
    Also ich muss gestehen, dafür hat sich das Aufstehen doch gelohnt!

    Liebe Morgengrüße
    MacBaylie

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    1. Vielen Dank für die lieben Worte, MacBaylie!
      Hihi, ja, ich bin da gerade von der Arbeit heim gekommen und hab überlegt, ob ich das Ganze noch posten oder warten soll, bis ich aufgestanden bin. Da Schule allerdings morgens ist, hab ich mich fix dazu entschieden, die Bimmel zu sehr unmenschlichen Uhrzeiten klingeln zu lassen. xD

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